Im Unterschied zu Dubai nebenan ist Abu Dabi ein Airport der kurzen Wege. Und es gibt Bier wie ich im vorbeilaufen förmlich rieche. 14 Tage war ich auf dem Trockendock. Aber jetzt ausgerechnet fehlt die Zeit für ein Pils. Das Boarding für meinen Flug nach Frankfurt hat schon begonnen. Obwohl ich die Transfer-Zone nicht verlasse, noch einmal Security. Richtig gründlich. Aus irgendeinem Grund wird meine kleine Tasche aussortiert und gesondert untersucht. Dabei geht meine Offenbach-Kappe verloren. Sie ist jetzt hoffentlich ein guter Botschafter in den Emiraten für unsere Stadt.
Die 777 bringt mich ohne größere Turbulenzen bis Frankfurt. Ich verschlafe die Hälfte der Zeit. Nur meine beiden jungen Sitznachbarn aus China gehen mir auf den Keks. Man muss nicht jede Anweisung der Stewadessen verstehen aber man sollte sie nicht mit Sturheit immer wieder ignorieren, besonders dann wenn es um Sicherheit geht.
Kurz vor der Landebahn Schreck am frühem morgen: die Maschine startet wieder durch und zieht steil nach oben. Es ist für einen Moment Mucksmäuschen still auf allen Plätzen. Wahrscheinlich die Angst aufs Wald-Stadion zu stürzen und für alle Ewigkeit den grottigen Eintracht-Fußball anschauen zu müssen.

Juchhu!!!! Mein Rucksack ist das dritte Gepäckstück auf dem Band. Es hat sich in hier nichts geändert: rmv und ovb verspätet und mies wie vor meinem Urlaub. Winni hat am Abend zuvor die Heizung in meiner Wohnung angestellt. Ich gönne mir um acht Uhr morgens eine 0,3 Flasche Bier und eine Runde Schlaf.
Saudi Arabien plus Kuwait: Autokratisch regierte Staaten: ohne Zweifel. Länder in denen Menschenrechte nicht so umgesetzt werden wie notwendig. Gewiss. Und dazu Herrscher, die Grenzen der Zivilisation überschreiten wie der Mord an einem Journalisten und Regimekritiker in Istanbul schrecklich demonstriert hat. Antsemitismnus quasi als Staatsräson in Kuwait. Kann man dort Urlaub machen, durchs Land reisen? Diese Frage bewegt mich beim Besuch eines jeden autoritär regierten Landes, nicht nur auf diesem Trip. Nicht nur auf dieser Reise. Unterstütze ich quasi mit meiner Anwesenheit und meinen Euros diese Regime? Meine Antwort ist nicht eindeutig.
Landschaftlichen Schönheiten beeindrucken auf der Arabischen Halbinsel. Es ist eine Region mit einer eindrucksvollen Geschichte. Bedeutende frühe Hochkulturen prägten und prägen die Entwicklung der Gesellschaft hier. Bis heute. Ob Medizin, Astronomie, Algebra, Schrift oder Physik: die muslimische Welt stand für Avantgarde und Höchstleistung während der Fortschritt in unseren Breitengraden noch im Dunkeln tappte. In vielen arabischen Ländern ist von dieser Blüte wenig übrig geblieben.
Saudi Arabien nutzt, auch dank der Öleinnahmen, viele Errungenschaften der Vergangenheit, kann darauf aufbauen, beispielsweise investieren die Verantwortlichen in Bildung. Quasi in jeder Oase mit drei Palmen gibt es eine oder mehrere Universitäten und Technische Hochschulen, besonders für Frauen. Die Regierung gibt Milliarden für die Infrastruktur aus: achtspurige Highways quer durch Sand und Geröll, Hochgeschwindigkeitszüge, die oft überdimensioniert wirken, endlose Industriegebiete, Spitzenforschung und High Tec. Dazu gut ausgestattete Krankenhäuser, die Restaurierung traditioneller Quartiere, Klimaschutz. Heute steht die Halbinsel vor einer Weggabelung, hinter der viele Optionen bedacht sein wollen. Saudi Arabien ist eine Nation im Umbruch. Das ist in den Zentren aber auch vielen Ortschaften in der Wüste zu spüren.
Die Geburtenrate liegt um 50 % höher als in Europa ist aber stark rückläufig. Dennoch gilt Saudi Arabien ein Land der Jugend. Die Verantwortlichen haben deshalb Ventile geöffnet, öffnen müssen. Gut ausgebildete Teenager, die dank Öl und Gas in relativem Wohlstand leben. Das Internet bringt die Welt via Smartphone ins kleinste Beduinenzelt. Viele Heranwachsende haben Europa bereist, hier studiert, gefeiert. In den Zentren ist das traditionelle Männergewand, der Kandora, auf dem Rückzug. Man (n) trägt Jeans. Viele Frauen, auch an den Schaltern der Behörden, haben Kopftuch und Schleier abgelegt. Das ist neu und ein Zeichen, dass die Regierung die jungen Menschen gewinnen will und muß, wenn sie neben Öl auch andere Schwerpunkte für ihre Wirtschaft und für Arbeitsplätze entwickeln möchte. Gezahlt wird fast ausschließlich mit Kreditkarte oder Smartphone. QR-Codes bestimmen Hotelbuchung, Busfahrt oder Restaurantbesuch fast ausschließlich.
Akzeptanz bedeutet, viele Menschen wollen und müssen mit ihrem Staat zufrieden sein, gerne in ihm leben. Auf diese Zustimmung ist auch Saudi Arabien für die ökonomische Entwickelung angewiesen. In den Golfstaaten nebenan gibt es eine relativ kleine einheimische Bevölkerung. Diese Elite lebt von Gas und der Ausbeutung ihrer Gastarbeiter. Das ist in Saudi so nicht möglich. Dafür ist das Land mit 31 Millionen Einwohnern zu groß. Im benachbarten Katar leben nur etwa 3 Millionen Menschen, davon sind lediglich 400.000 in dem Land zur Welt gekommen, also Bürgerinnen und Bürger. In Saudi Arabien bräuchte es über 100.000 Millionen Zuwanderer, um eine ähnliche Relation zwischen Einheimischen und Gastarbeitern zu erhalten. Und ein weiteres: Diese jungen gut ausgebildeten Saudis suchen Herausforderungen, wollen sich ausprobieren. Auch dieses Ventil braucht es, damit sie, so die Angstträume der Emire, nicht aus Langeweile auf dumme Gedanken kommen. Das Kalkül / der Deal der Herrschenden ist zynisch. Ihr liebe Jugend bekommt individuelle Freiheiten, dazu Sport und Stars auf Weltniveau, Events und Festivals, das Beste vom Besten. „Wir reden Euch auch nicht ins Privatleben hinein“, dafür erwarten wir, dass Ihr das Herrscher Haus und seine Privilegien nicht in Frage stellt.
Die Menschen sind freundlich, liebenswert, neugierig, ohne aufdringlich zu sein. Sie freuen sich über Gäste aus anderen Kulturkreisen. Sie suchen das Gespräch. Immer wieder werde ich nach unserem Leben, nach unseren Werten gefragt. Bei Frauen, deren Rechte hier immer noch eingeschränkt sind, sind beim Thema „Kopftuch bzw Schleier“ vorsichtige Veränderungen in urbanen Zentren zu beobachten. Viele junge Mädchen wollen nicht wie ihre Mütter die Welt nur aus einem schmalen Sehschlitz wahrnehmen.
Abschottung raubt Dynamik. Es ist aber eine Illusion zu glauben, man könne mit Knopfdruck oder einer Gesetzesänderung diese Länder zu Klonen der westlichen Welt kopieren. Es braucht Zeit und einen langen Atem, keine Illusionen. Der islamische Frühling beispielsweise in Syrien ist warnendes Beispiel wie schnell aus Begeisterung Entsetzen wird, wenn Diktatoren ihre Herrschaft bedroht glauben. Aber Abschottung ist auch keine Option. Besuche, Austausch ist für mich immer ein Weg zu Annäherung und Veränderung.



























































































