Dienstag, 4. Februar 2025 – Abu Dabi – Frankfurt

Im Unterschied zu Dubai nebenan ist Abu Dabi ein Airport der kurzen Wege. Und es gibt Bier wie ich im vorbeilaufen förmlich rieche. 14 Tage war ich auf dem Trockendock. Aber jetzt ausgerechnet fehlt die Zeit für ein Pils. Das Boarding für meinen Flug nach Frankfurt hat schon begonnen. Obwohl ich die Transfer-Zone nicht verlasse, noch einmal Security. Richtig gründlich. Aus irgendeinem Grund wird meine kleine Tasche aussortiert und gesondert untersucht. Dabei geht meine Offenbach-Kappe verloren. Sie ist jetzt hoffentlich ein guter Botschafter in den Emiraten für unsere Stadt.

Die 777 bringt mich ohne größere Turbulenzen bis Frankfurt. Ich verschlafe die Hälfte der Zeit. Nur meine beiden jungen Sitznachbarn aus China gehen mir auf den Keks. Man muss nicht jede Anweisung der Stewadessen verstehen aber man sollte sie nicht mit Sturheit immer wieder ignorieren, besonders dann wenn es um Sicherheit geht.

Kurz vor der Landebahn Schreck am frühem morgen: die Maschine startet wieder durch und zieht steil nach oben. Es ist für einen Moment Mucksmäuschen still auf allen Plätzen. Wahrscheinlich die Angst aufs Wald-Stadion zu stürzen und für alle Ewigkeit den grottigen Eintracht-Fußball anschauen zu müssen.

Juchhu!!!! Mein Rucksack ist das dritte Gepäckstück auf dem Band. Es hat sich in hier nichts geändert: rmv und ovb verspätet und mies wie vor meinem Urlaub. Winni hat am Abend zuvor die Heizung in meiner Wohnung angestellt. Ich gönne mir um acht Uhr morgens eine 0,3 Flasche Bier und eine Runde Schlaf.

Saudi Arabien plus Kuwait: Autokratisch regierte Staaten: ohne Zweifel. Länder in denen Menschenrechte nicht so umgesetzt werden wie notwendig. Gewiss. Und dazu Herrscher, die Grenzen der Zivilisation überschreiten wie der Mord an einem Journalisten und Regimekritiker in Istanbul schrecklich demonstriert hat. Antsemitismnus quasi als Staatsräson in Kuwait. Kann man dort Urlaub machen, durchs Land reisen? Diese Frage bewegt mich beim Besuch eines jeden autoritär regierten Landes, nicht nur auf diesem Trip. Nicht nur auf dieser Reise. Unterstütze ich quasi mit meiner Anwesenheit und meinen Euros diese Regime? Meine Antwort ist nicht eindeutig.

Landschaftlichen Schönheiten beeindrucken auf der Arabischen Halbinsel. Es ist eine Region mit einer eindrucksvollen Geschichte. Bedeutende frühe Hochkulturen prägten und prägen die Entwicklung der Gesellschaft hier. Bis heute. Ob Medizin, Astronomie, Algebra, Schrift oder Physik: die muslimische Welt stand für Avantgarde und Höchstleistung während der Fortschritt in unseren Breitengraden noch im Dunkeln tappte. In vielen arabischen Ländern ist von dieser Blüte wenig übrig geblieben.

Saudi Arabien nutzt, auch dank der Öleinnahmen, viele Errungenschaften der Vergangenheit, kann darauf aufbauen, beispielsweise investieren die Verantwortlichen in Bildung. Quasi in jeder Oase mit drei Palmen gibt es eine oder mehrere Universitäten und Technische Hochschulen, besonders für Frauen. Die Regierung gibt Milliarden für die Infrastruktur aus: achtspurige Highways quer durch Sand und Geröll, Hochgeschwindigkeitszüge, die oft überdimensioniert wirken, endlose Industriegebiete, Spitzenforschung und High Tec. Dazu gut ausgestattete Krankenhäuser, die Restaurierung traditioneller Quartiere, Klimaschutz. Heute steht die Halbinsel vor einer Weggabelung, hinter der viele Optionen bedacht sein wollen. Saudi Arabien ist eine Nation im Umbruch. Das ist in den Zentren aber auch vielen Ortschaften in der Wüste zu spüren.

Die Geburtenrate liegt um 50 % höher als in Europa ist aber stark rückläufig. Dennoch gilt Saudi Arabien ein Land der Jugend. Die Verantwortlichen haben deshalb Ventile geöffnet, öffnen müssen. Gut ausgebildete Teenager, die dank Öl und Gas in relativem Wohlstand leben. Das Internet bringt die Welt via Smartphone ins kleinste Beduinenzelt. Viele Heranwachsende haben Europa bereist, hier studiert, gefeiert. In den Zentren ist das traditionelle Männergewand, der Kandora, auf dem Rückzug. Man (n) trägt Jeans. Viele Frauen, auch an den Schaltern der Behörden, haben Kopftuch und Schleier abgelegt. Das ist neu und ein Zeichen, dass die Regierung die jungen Menschen gewinnen will und muß, wenn sie neben Öl auch andere Schwerpunkte für ihre Wirtschaft und für Arbeitsplätze entwickeln möchte. Gezahlt wird fast ausschließlich mit Kreditkarte oder Smartphone. QR-Codes bestimmen Hotelbuchung, Busfahrt oder Restaurantbesuch fast ausschließlich.

Akzeptanz bedeutet, viele Menschen wollen und müssen mit ihrem Staat zufrieden sein, gerne in ihm leben. Auf diese Zustimmung ist auch Saudi Arabien für die ökonomische Entwickelung angewiesen. In den Golfstaaten nebenan gibt es eine relativ kleine einheimische Bevölkerung. Diese Elite lebt von Gas und der Ausbeutung ihrer Gastarbeiter. Das ist in Saudi so nicht möglich. Dafür ist das Land mit 31 Millionen Einwohnern zu groß. Im benachbarten Katar leben nur etwa 3 Millionen Menschen, davon sind lediglich 400.000 in dem Land zur Welt gekommen, also Bürgerinnen und Bürger. In Saudi Arabien bräuchte es über 100.000 Millionen Zuwanderer, um eine ähnliche Relation zwischen Einheimischen und Gastarbeitern zu erhalten. Und ein weiteres: Diese jungen gut ausgebildeten Saudis suchen Herausforderungen, wollen sich ausprobieren. Auch dieses Ventil braucht es, damit sie, so die Angstträume der Emire, nicht aus Langeweile auf dumme Gedanken kommen. Das Kalkül / der Deal der Herrschenden ist zynisch. Ihr liebe Jugend bekommt individuelle Freiheiten, dazu Sport und Stars auf Weltniveau, Events und Festivals, das Beste vom Besten. „Wir reden Euch auch nicht ins Privatleben hinein“, dafür erwarten wir, dass Ihr das Herrscher Haus und seine Privilegien nicht in Frage stellt.

Die Menschen sind freundlich, liebenswert, neugierig, ohne aufdringlich zu sein. Sie freuen sich über Gäste aus anderen Kulturkreisen. Sie suchen das Gespräch. Immer wieder werde ich nach unserem Leben, nach unseren Werten gefragt. Bei Frauen, deren Rechte hier immer noch eingeschränkt sind, sind beim Thema „Kopftuch bzw Schleier“ vorsichtige Veränderungen in urbanen Zentren zu beobachten. Viele junge Mädchen wollen nicht wie ihre Mütter die Welt nur aus einem schmalen Sehschlitz wahrnehmen.

Abschottung raubt Dynamik. Es ist aber eine Illusion zu glauben, man könne mit Knopfdruck oder einer Gesetzesänderung diese Länder zu Klonen der westlichen Welt kopieren. Es braucht Zeit und einen langen Atem, keine Illusionen. Der islamische Frühling beispielsweise in Syrien ist warnendes Beispiel wie schnell aus Begeisterung Entsetzen wird, wenn Diktatoren ihre Herrschaft bedroht glauben. Aber Abschottung ist auch keine Option. Besuche, Austausch ist für mich immer ein Weg zu Annäherung und Veränderung.

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Montag, 3. Februar 2025 Kuwait – Abu Dabi

Jeder Trip endet. Meiner heute gegen 23 Uhr mit Etihad gen Frankfurt. „Mixed Emotions“ tönte einst Mick Jagger. Frühstück im ibis. Noch einmal laben an Hummus und Joghurt. Ansonsten ein ibis halt, solider Standard, ohne Ausreißer nach oben oder unten. Egal ob ibis Duisburg, Dublin oder Dschidda.

In Dschidda habe ich meine Tour quer über die Arabische Halbinsel begonnen. 14 spannende Tage. Manchmal anstrengend aber kein Stress. Kann man in diese autokratischen Länder ohne schlechtes Gewissen reisen. Darüber werde ich mir noch einige Gedanken machen und am Ende meine Einschätzung geben.

Heute kleiner Schnupperkurs Kuwait. Mehr ist nicht drin. Aus dem Hotelfenster macht die Stadt einen ungeordneten Eindruck. Der bestätigt sich auch vor der Tür. Ziemlich durcheinander gebaut.

Wo kann man eine Stadt am besten kennenlernen. Auf dem Markt, also hier im Souk oder Basar. Dort wo Menschen ihre Alltagsbesorgungen machen. Dort wo Kultur durch den Magen geht.

Zwei Kilometer zu Fuß entlang von Hauptverkehrsstraßen. Kein Vergnügen. Mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen ist Fortbewegung aussichtslos. Ich stärke mich erst einmal mit einem Tee. Der Beste auf meiner Reise. Wie viele andere neben mir: Beobachten, das Treiben genießen.

In der Nachbarschaft gibt’s an einer langen Reihe von Ständen Fisch in allen Größen.

Die Gänge sind nach Sortimenten geordnet

Obst aus aller Welt

Bei einem Feigen-Händler kaufe ich eine Handvoll Datteln. Low Sugar wie mir der Traiteur versichert. Er zeigt mir noch seine Spezialität: Datteln in Honig und Sirup gebadet. Überredet. Nach dem ersten Happen schicke ich sofort per SMS eine Bitte an meinen Hausarzt: Nächste Woche Diabetis-Test.

Ich drehe noch eine Runde zum Meer. Den schönsten Blick habe sich dort einige militärischen Einrichtungen und das Außenministerium gesichert. Fotografieren verboten. Und bei den Jungs die dort am Zaun stehen, knipse ich eher nicht.

Zurück ins Hotel mit dem Stadtbus. Auch win Abenteuer: Packen, eine halbe Stunde dösen. Um 18 Uhr mache ich mich auf. Der Mensch an der Rezeption hat verpennt, ein Taxi zu bestellen. Aber ich habe genug Zeit. Im Feierabendverkehr zieht sich die Fahrt zum Airport auf eine Stunde. Check Inn und Passkontrolle ohne Problem. Man muss nicht alle Wege rund um die Beamten-Schalter verstehen. Ein Engländer und ich grinsen uns nach der Kontrolle an. „Be Calm and Carry on“. Eine Stange Zigaretten für das letzte Kuwait-Dinar, ein Hamburger und ein Wasser. 50 Minuten ruhiger Flug bis Abu Dabi statt der im Flugplan genannten einen Stunde und 40 Minuten.

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Sonntag, 2. Februar 2025 – Von Dammam nach Kuwait

Mit dem Check out kann ich mir bis 13 Uhr Zeit lassen. Abflug 16.30 Uhr. Aber: der Airport liegt 50 Kilometer außerhalb. Ich hatte gestern auf dem Rückweg vom Abendmahl ein kleines Café entdeckt, das ich jetzt ansteuere. Ein Americano und ein Käse-Sandwich. Nix besonderes. Heute bin ich mal ganz bescheiden.

Sicher nicht ein Frühstückstraum, aber ich habe auch keine Lust lange zu suchen. Im Hotel packen, lesen dösen. Kurz nach 13 Uhr frage ich an der Rezeption nach einem Taxi. Die Lady erklärt sich für unzuständig. Dazu müsse ich „Uber“ aufs Smartphon laden. Nach einer kurzen Debatte ruft sie irgendwo an, erreicht aber nichts. Eine halbe Stunde später kommt ihr Kollege und dann bald ein Taxi. Der Weg zum Airport zieht sich. Am Flughafen läuft alles wie am Schnürchen. Check In ohne anstehen, schnelle Security und ich habe fast zwei Stunden Zeit am Gate.

Der Flug dauert nur 30 Minuten. Der Screen zeigt eine Entfernung von 300 Kilometer. Das hätte ich auch mit dem Bus fahren können. Zu spät. Nach knapp 30 Minuten landen wir. Trotz der knappen Zeit serviert Kuwait Airways einen kleinen Snack.

In Kuwait läuft alles reibungslos. Visum on Arrival in knapp zehn Minuten, obwohl ich für die Fingerabdrücke wieder zu blöd bin. Mein Rucksack liegt schon auf dem Band. Ich entscheide mich fürs Taxi und gegen den Bus, weil mein Navi im Kuwaitischen Netz nicht funktioniert und ich möchte nicht irgendwo in der Pampa stranden.

Das ibis ist ok. Bei dieser Kette weiß man bei der Buchung, was geliefert wird und was nicht. Ich kann zufrieden sein. 17 Stock mit Blick auf Parkplatz und Hochhäuser. Die Mitarbeiterin am Check In spendiert mir noch zwei Stunden „Late Check out“. Alles ok.

Nebenan ist ein Einkaufszentrum. Ich leiste mir einen mittelmäßigen Italiener der sein Lokal „Milano“ nennt. Auf eine Suche spät in unbekanntem Terrain nach lokalen Spezialitäten verspüre ich wenig Lust. Am Kiosk hole ich mir zwei Bier „Null Promille“. Auch hier gilt ein strenges Spritverbot. Nach zwei Wochen fange ich an, mich daran zu gewöhnen.

Lesen und Blog: dann einschlafen

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Samstag, 1. Februar 2025 – von Riad nach Dammam

Reisetag. Der Zug geht um kurz nach neun. Und wegen des Traffics müsse ich mit einer Stunde Fahrzeit rechnen, so der Mann an der Rezeption gestern abend. Das Frühstück muss also etwas schneller in den Magen. Schade. Dabei hätte ich mich überhaupt nicht beeilen müssen. Der Boy an der Tür organisiert mir binnen zehn Sekunden ein Taxi, entgegen der Prognosen sind die Straßen frei, der Fahrer macht keine Umwege. Kurzum, ich bin eine Stunde zu früh am Bahnhof.

Warten am Check In. Wie gut, dass das Handy gegen Langeweile hilft.

Es kann losgehen. Der Zugführer erlaubt mir aber nur ein Foto. Drinnen habe ich Glück und bekomme einen Einzelsitz.

Draußen ist Wüste. Man sieht die nahen Ölfelder.

Zwei drei Unterwegs-Halte

Ankunft in Dammam. Der Ort ist eine Drehscheibe zwischen Saudi, dem benachbarten Bahrein und Kuwait. Die Stadt ist mit Autobahnkreuzen „gesegnet“. Auf den überbreiten Highways drängeln sich SUV´s und LKW´s. Ansonsten: Nichts aufregendes, außer dass die Stadt am Meer liegt.

Ursprünglich wollte ich das Novotel neben dem Bahnhof nehmen: „Da weiß man was man hat“. Zum Glück habe ich mich dann umentschieden, denn der Bahnhof liegt ca zwanzig Kilometer weit vom Zentrum entfernt. Mit dem Taxi dauert das eine halbe Stunde. Der Fahrer fährt nach dem Navi auf meinem Smartphon. Das Hotel ist ganz in Ordnung, ein Appartement mit Küche und einer bequemen Sitzgruppe.

Abends marschiere ich Richtung Strandpromenade.

Gegenüber ist zu erkennen woher Saudi Arabien seinen Reichtum bezieht. Das Restaurant ist ziemlich schmucklos. Wenn man alleine is(s)t, wird man wie in einer Halle platziert. Familien werden in eines der kleinen Séparée geführt. Es ist ein Buffet aufgebaut. Suppe, Vorspeise, Hauptspeise, Dessert in vielen Varianten und es schmeckt ziemlich gut. Dazu gibt es Fruchtsäfte und Kaffee refill. Am Ende kostet alles keine zwölf Euro. In einem Supermarkt besorge ich mir noch zwei Bier. Statt Promille mit Cranberry getunt.

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Freitag, 31.Januar 2025 – Riad

Morgens erst mal ausgiebig frühstücken. Ich nehme mir richtig Zeit. Mal hier, mal da naschen. Die Vielfalt am Büffet überwältigt. Nur der Kaffee im Pappbecher stört. Im Zimmer sortiere ich meine Sachen, schreibe ein wenig. Mit der Metro – es sind nur drei Stationen- mache ich mich nochmal ins Museum.

Die Station am National Museum liegt etwa 60 bis 80 Meter tief. Eine Fahrt mit den Rolltreppen nach oben gibt ein Gefühl für die Dimensionen der Anlage. Wege, Beschilderung, Ticketing sind optimal. Jeder Schnipsel Papier wird sofort aufgelesen und anders als in Offenbach oder generell in Deutschland ist der helle Bodenbelag nach ein paar Tagen nicht versifft oder mit dunklen Flecken übersät.

Das Wetter ist angenehm. Gelegenheit im Park vor dem Museum zu relaxen. Viele Familien sind im wahrsten Sinn mit Sack und Pack hierher gekommen. Es ist Freitag, also wie bei uns Sonntag. Sie essen, plauschen, die Kleinen toben. Es macht Spaß zuzuschauen. Die Lady an der Pforte der Dior-Ausstellung ist auch mit meinem Offenbacher-Hinterhof-Romeo-Charme nicht zu beeindrucken. Also streiche ich den Modedesigner und konzentriere mich, wie es sich auch in meinem Alter geziemt, auf die Frühzeit auf der Arabischen Halbinsel.

Die Ausstellung schlägt einen Bogen von der Entstehung der Erde bis zur Geburt von Mohamed. Vorweg. Was ein Glück, dass die Exponate und Tafeln hier stehen und nicht in den USA.

Hier im ultra-konservativen Saudi Arabien wird ganz ungeniert und ohne Kindersicherung die Evolution erklärt. Im Mittleren Westen, wo ich noch vor drei Monate rumgestromert bin, hätte man solch Hexenwerk schon lange auf den Scheiterhaufen geworfen.

Hier auf der Arabischen Halbinsel sind sehr frühe Spuren der Menschheit zu entdecken. Der Ursprung des Homo Sapiens liegt wohl irgendwo in Ostafrika. Die Spezies wanderte, so hab ich es mal im Fernsehen aufgeschnappt, entlang der Küste Arabiens Richtung Irak, Asien und Europa. Damals waren die Küsten noch grün und ernährten die Stämme die hier lebten. Frühe Hochkulturen entstanden zwischen Euphrat und Tigris. Davon erzählt das Museum, knüpft Zusammenhänge, beschreibt Entwicklungen. Besonders die Ausführungen zum Werdegang der Schrift faszinieren mich. Hier stehen viele bis zu mannshohe Steintafeln, auf denen unsere Vorväter und -mütter besondere Ereignisse festgehalten haben, religiöse Riten beschrieben, Buch führten über ihre wirtschaftlichen Aktivitäten aber sich auch an Poesie und Kunst ergötzten.

Modelle von Häusern oder Werkstätten veranschaulichen immer wieder die konkrete Lebenssituation der Menschen

Spät verlasse ich das Museum. Eins zwei Bilder noch

Die abendliche Rushhour.

Mit der Metro fahre ich noch zu dem kleinen Imbiss in dem ich am ersten Abend so vorzüglich gegessen habe.

Drei Stationen zurück. Packen, alles bereitlegen für die Morgentoilette, ein paar Seiten lesen. Einschlafen.

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Donnerstag, 30.Januar 2025 – Riad

Das Hotelfrühstück toppt alles bislang in Saudi Arabien Gebotene. Warm, kalt, süß, sauer, Obst, Gemüse, Müsli in allen Varianten, Salate, Feta gelb, grün, rot, blau und und und. Es ist einfach nur gut. Vom Preis ein Schnäppchen. Gratis dazu der Blick aus dem 10. Stockwerk über die Stadt. Gestärkt plane ich die letzten Tage meiner Reise. Am Montag spät abends geht mein Flieger aus Kuwait zurück in die Heimat. Aber nach Kuwait kommen entpuppt sich plötzlich als ziemlich schwierig. Die Verbindungen sind am Freitag und Samstag fast ausverkauft, kosten ab Riad richtig viel Geld. Es bietet sich ein Ausweg: mit dem Zug (da sage ich nie „nein“) nach Dammam an der Grenze zu Bahrain und von dort am Sonntagabend mit Kuwait Airlines nach Kuwait für knapp 150 Euro. Neues Problem: Am Samstag sind die Züge nach Dammam fast ausgebucht. Um neun Uhr morgens gibt es noch einige First Class Tickets. Meine Bestellung per Internet schlägt fehl. Ich erhalte keine Bestätigungsmail.

Also erstmal ab Richtung National Museum. Wenn am frühen Nachmittag die Bahn mir immer noch kein „Confirmed“ geschickt hat, muss ich wohl direkt an den Fahrkartenschalter.

Das Nationalmuseum zeigt neben den historischen Galerien auch eine Dior-Ausstellung. Hätte mich schon interessiert, nicht weil Mode mein bevorzugtes Sujet ist, sondern weil ich neugierig bin wie ein solches Thema hier umgesetzt wird. Aber: Für diese Ausstellung braucht man ein Ticket, das gibt es nur mit einer besonderen App und die ziehe ich mir mit allen sensiblen Daten, die man von mir will, nicht hier in der Vorhalle aufs Handy.

Zum Glück: In die Geschichtsabteilungen ist der Eintritt frei. Ich beginne im oberen Geschoss mit der Zeit nach der Geburt des Propheten. Die Räume unten widmen sich der Frühgeschichte. Es ist eine gut gemachte Schau. Natürlich: das Leben hier auf der Halbinsel war über Jahrhunderte auch von regelmäßigen Kriegen überschattet. Eroberung hier, Rückzug da. Aber die Exponate zeigen auch den Alltag. Und da wird an nichts gespart: Ob hohe Burgmauern, Oasen oder das Leben in einer Hütte: in den riesigen Hallen haben die Kuratoren viele Dioramen nachgebaut. An Geld und Ressourcen mangelt es hier sicher nicht. In den Schaukästen daneben Gebrauchs- und Kultgegenstände.

Wie in vielen Ländern der muslimischen Welt lassen sich hier die Leistungen ihrer Wissenschaftler im frühen Mittelalter bewundern. In der Medizin, Astronomie, Physik, Algebra, Geometrie: im 12. und 13. Jahrhundert waren Länder wie Saudi Arabien, Usbekistan, Pakistan, der Iran oder der Irak State of the Art. Marktführer. Ein Grund: diese Länder öffneten sich früh dem Fernhandel bis China und Europa. Mit den Gütern verbreiteten sich Ideen, Techniken und Wissen aber auch Kunst, Musik und Poesie. Die prächtigsten Moscheen widmeten fortschrittliche Sultane der Bildung. Die Hochschulen vermittelten Wissen aus aller Welt. Eine gute Basis für Wohlstand und Auskommen. Eine Zeit in der wir in Europa um Jahrhunderte hinterherhinkten. Die Lehre für heute: Nationalismus und Ausgrenzung schaden, hemmen Fortschritt und Entwicklung.

Leider klammert die Schau die Neuzeit ab den 1950er Jahren aus. Diese Epoche wird gerade neu konzipiert. Schade. Die Zeit drängt. Ich möchte abends ein Fußballspiel besuchen und muss vorher noch wegen des Tickets zum Bahnhof. Deshalb bleibt nur eine flüchtige Runde für die Frühzeit mit einem „Wow“. Da muss ich morgen wiederkommen.

Das Taxi zum Dammam-Bahnhof ist eine Qual. Der Junge dreht auch jede Extra-Runde die ihm ein paar Münzen einbringt. Eigentlich nicht schlimm. Kostet alles kaum mehr als bei uns ein Bus-Ticket. Man sieht die Stadt: aber es ist natürlich Stress. Der Dammam-Bahnhof liegt wesentlich näher an der Stadt als die Nordstation an der ich angekam. Das Gebäude gehört zur ersten Eisenbahnlinie in Saud-Arabien, also eine eher orientalische Architektur. Drinnen klärt sich alles sehr schnell. Irgendwie ist meine Buchung nicht angekommen. Stellt der nette Mann am Schalter sofort anhand meiner Pass- und Handynummer fest. Überwachung hat auch was Gutes. Economy ist ausverkauft, aber ich bekomme noch ein Business-Ticket (so heißt das hier bei der Bahn) für den Morgenzug. Der Preis liegt immer noch deutlich unter unserem Spartarif.

Alles ist binnen Minuten erledigt. Zeit zum Stadion zu laufen. Es sind ungefähr zwei Kilometer. Der Weg führt durch ein wenig repräsentatives Quartier. Eher Unterschicht. Aber Google verrät mir: hier gebe es eine gute Falafel-Bude. Ich werde nicht enttäuscht. Mit Gemüse und Joghurt schmecken die kleinen Bällchen richtig gut.

Am Stadion die nächste Überraschung. Eintrittskarten gibt es nur per Internet. Ein Box-Office: Fehlanzeige. Obwohl mir ein netter Offizieller zu helfen versucht: mein Handy und die Software werden keine Freunde. Verzweiflung in meinen Augen stimmt den Oberaufseher am Tor gnädig. Ich werde durchgewunken.

Ich bin eine Stunde zu früh. Das Station fasst vielleicht 30.000 Menschen und ist leer, komplett leer bis auf die circa 1.000 Security Jungs. Auf den Platz laufen sich die Teams warm. So langsam tröpfeln die Zuschauer ein. Am Ende werden es vielleicht hundert sein.

Es spielt die erste Saudische Liga, der Achte in der Tabelle gegen den Elften, das Match wird Live im TV übertragen, eine Show vorher wie bei uns beim Bundesliga-Spiel aber weniger Atmosphäre als beim Derby Espanol Offenbach gegen Rumpenheim. Und es ist ein Grotten-Kick. Ein Fehlpass-Festival.

Wie überall auf dieser Welt. Am Spielfeldrand der Präsident mit Kumpels. Wichtig und extra geschützt

Zur Halbzeit beschließe ich etwas mehr in die Mitte zu rücken. Platz gibt es ja ohne Ende. Von oben spricht mich ein Mann wegen meines Kickers Schals an. Das Tuch hat auch schon viel Aufmerksamkeit bei den Ordnern erregt. Ich begrüße ihn. Er gehöre zum Marketing-Team der Saudischen Liga erzählt er mir. Bei ihm hocken ein Scout des Verbandes und ein Spielanalytiker. Ich vermute mal: Vorbereitung auf die WM, die in Saudi Arabien ausgetragen werden soll.

Ich stelle erst mal die „Kickers“ vor. Sie wollen mir nicht glauben, dass zu ihren Matches in der Vierten Liga 6.000 bis 8.000 Fans kommen. „Wir sind halt der geilste Club der Welt“ erkläre ich ihm. Und Verwunderung: bei uns gibt es Stehplätze.

Einer der drei hat auf dem Handy eine Software, die andere Fans tackt, wenn sie Bluetooth eingeschaltet haben. Das Gerät führt ihn zu Pascal von Eintracht Trier zwei Blöcke weiter, dessen Ziel ist, bei jedem Verband auf dieser Welt ein Spiel zu besuchen. Es müssen so um die 209 Ligen sein, erklärt er mir. Im März kommt er nach Offenbach, wenn Eintracht Trier bei den Kickers antritt.

Für mich sind die Funktionäre eine ideale Gelegenheit Fragen zum Saudischen Fußball zu stellen. Was interessiert uns am meisten: Wieviel Geld zahlen die Vereine den Kerls da unten. Hier – und wir reden vom Mittelfeld der Liga- sind es rund 2,5 Mio Euro in der Spitze und mindestens eine Million beim Rest. Viel Geld für wenig Leistung. Nach der Einschätzung von Pascal können alle besser gegen den Ball treten. Aber Engagement und Einsatz werden von der sportlichen Leitung nicht eingefordert. Sie müssen ihr Potential nicht abrufen. Was die Balltreter bieten, wird akzeptiert. Die Spieler aus dem Ausland waren früher meist Spitzenklasse. Aber warum sollen sie sich jetzt zerreißen, wenn die Kohle jeden Monat aufs Girokonto gebucht wird. Hier ist für jeden „Chancentod“ und Vollpfosten, der regelmäßig den Ball verstolpert, noch einmal Gelegenheit Geld für eine Eigentumswohnung zusammen zukratzen plus eine tägliche warme Mahlzeit für den Rest seines Lebens, auch wenn er die während seiner Karriere verdienten Millionen versoffen und verzockt hat.

Die Security Präsenz sei im übrigen, so die Einschätzung von Pascal auf meine Frage, nicht einer konkreten Gefahrenlage geschuldet. Es sei einfach so, dass die Guards eh alle im Staatsdienst seien und deshalb müsse man sie halt beschäftigen, um sie nicht auf dumme Gedanken kommen zu lassen.

Die Mannschaften werden im übrigen auch von Ministerien unterstützt. Also Staatsfussball. Die WM ruft. Ich erzähle den staunenden Jungs vom Verband noch, dass in Offenbach schon das Team von Brasilien trainiert hat. Wenn die Saudis mal ein Länderspiel in Deutschland machen sollten, müssten sie nur im Rathaus anrufen „the Major is my best Buddy“, um optimale Trainingsbedingungen zu finden.

Am nächsten Tag soll der Tabellenführer spielen. Das ist das Team bei dem kürzlich noch Neymar seine Künste zeigte. Da müsse ich unbedingt hin, empfiehlt man mir. Das Match sei in einer riesigen Halle.

Ich bin dem Rat nicht gefolgt. Ein Fehler. Am Abend sehe ich im TV ein rassige Spiel, fast ausverkauft bei Ticketpreisen zwischen 60 und 120 Euro. Richtig Stimmung. Irgendwie habe ich den Eindruck, Saudi Arabien kauft sich Fußball zusammen: drei vier Spitzenteams plus ein wenig Unterbau damit das Land auch eine Liga nachweisen kann. Man gauckelt so Fussball Tradition vor und suggeriert, reif für die WM zu sein.

Das Spiel hier endet 1:0. Drei weitere Tore werden nach Video-Beweis aberkannt. Auch etwas absurd. Video-Beweis in einem leeren Stadion.

Zurück mit dem Taxi zum Hotel. Ich gehe suche noch einen Supermarkt, etwas abseits vom Ministeriums Viertel in dem ich wohne. Ich laufe durch eine Straße in der die dienstbaren Geister zuhause sind. Hier finde ich draußen eine reine Männer Gesellschaft. Man steht dicht gedrängt zusammen, schwätzt. Im kleinen Tante Emma Laden hole ich drei Flaschen Bier „Null Promille“. Das alkfreie Gesöff ist hier mit Früchten angereichert. Cranberry ist gut trinkbar und löscht den Durst. Weizen, Apfel und Erdbeere sind grausam. Der Chef im Laden dreht den Kronkorken mit der Hand auf. Wahnsinn.

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Mittwoch, 29. Januar 2025 – Von Ha’il nach Riad

Noch einmal Reisetag. Mit dem Zug aus der Wüste in die Hauptstadt. Die Oasenstadt Ha’il hat über 400.000 Einwohner. Trotzdem liegt ihr Bahnhof rund zwanzig Kilometer vor den Stadttoren. Weit weg. Mitten im Sand. Die Streckenführung, der vor einigen Jahren gebauten Linie, orientiert sich an geopolitischen Vorgaben nicht an der Nähe zu möglichen Fahrgästen. Fertig ist die Trasse bis zur jordanischen Grenze. Sie soll irgendwann irgendwo am Mittelmeer enden. Man kann sie als Teil des Projekts Seidenstraße sehen als Bypass zum Suez-Kanal, aber auch als ein Projekt für den Warenaustausch und dem Transport von Rohstoffen zwischen dem Nahen Osten und Europa. Es ist richtig spannend wo das Ende der Schienen einmal sein wird. Die Saudis haben, so ist zu lesen, verschiedene Optionen. Nach Israel zur Küste (deshalb auch die Annäherung an den einstigen Todfeind), nach Syrien oder in die Türkei (beide Alternativen berühren über unsicheres Terrain). Erdogan hat in den vergangen Tagen vom Zukunfts-Projekt Hedjaz Bahn gesprochen. Ihm sind daraufhin mangelnde Geographie- und Geschichtskenntnisse vorgeworfen worden. Könnte sein das er ahnungslos ist. Dennoch ist die Annahme wenig überzeugend, denn er hat eine Menge Berater, die ihn vor solchen Fehlern bewahren würden.

Der türkische Präsident nutzt den Mythos Hedjaz Bahn, um Klima für eine neue transarabische Verbindung zu machen. So investiert er beispielsweise -Symbolik ist alles- in ein Hedjaz-Museum in der jordanischen Hauptstadt Amman. Sein Ziel ist, Istanbul wird der Endpunkt einer Verbindung vom Oman über Saudi Arabien und den Golf Staaten Richtung Jordanien, Syrien in die Türkei. Istanbul soll ein modernisiertes wirtschaftliches Tor nach Europa werden. Ein Drehkreuz. Sein neuer Airport ist dafür ein weiterer Baustein. Mit Hochdruck arbeitet die Türkei an einem Hochgeschwindigkeitsnetz und an leistungsfähigen Bahntrassen in den Osten des Landes. Eigentlich stehen nur noch die Kurden und Syrien den Plänen im Weg.

Anyway. Für eine Direttissima kann nicht jede Stadt im Zentrum angefahren werden, auch nicht wenn es eine Großstadt ist. Schon von weitem ist der markante Bau zu erkennen. Heute ist Rushhour. Gleich zwei Züge in Richtung Riad sind eingeplant. Normal existiert nur eine tägliche Verbindung. Der Norden bis zur jordanischen Grenze wird nur einmal in der Woche bedient. Aber: alle Bahnhöfe sind ähnlich großzügig dimensioniert.

Eine futuristische Architektur soll den Menschen auch suggerieren: wir sind in der modernen Zeit angekommen, prägen sie.

Es ist schon alles ziemlich heftig für die 50 Personen, die heute hier abfahren. Ich habe Zeit genug für ein Petit Dejeuner, also Käse-Toast und Kaffee: erstaunlich preiswert.

Check In. Viel Personal: Häuptlinge und Indianer. Die meisten sprechen Englisch. Am Gate warten. Der Zug ist pünktlich.

Es sind übrigens meist Frauen, die einsteigen. Hier ist die Geschlechtertrennung aufgehoben. Plötzlich gerate ich in eine etwas unangenehme Situation. Es gilt Reservierungspflicht. Der Computer hat mir den Sitz neben einer dick vermummten Frau zugeteilt. Ihr ist das, so interpretiere ich ihre Körpersprache, ziemlich unangenehm (mir auch). Irgendwann kommt der Schaffner durch den Gang und sie bittet um einen anderen Platz. Jedes Ding hat auch sein Gutes: jetzt hocke ich direkt am Fenster.

Eine weitere Überraschung, die so gar nicht zum eben erlebten zu passen scheint. Einige junge Frauen sind unverschleiert, tragen kein Kopftuch oder haben es lässig in den Nacken geschoben. Andere ziehen für eine halbe Stunde den Schleier aus. Ich hatte in den Tagen zuvor gelesen, dass das Vermummungsgebot Tragen seit 2019 in Saudi Arabien aufgehoben ist. Und wie ich später in der Hauptstadt Riad merke, wird diese Freiheit in den Gebieten, in denen der Mittelstand wohnt, ausgiebig genutzt.

Saudi Arabien muss Ventile öffnen. Die Wirtschaft des Staates wird nach dem Ölzeitalter auf Fachkräfte angewiesen sein. Das heißt auch und gerade auf Frauen. Das Land verfügt über ein dichtes Netz an Universitäten. Es gibt Hochschulen für technische Berufe speziell für Frauen. Wie ich auf Reisen auch in andere Teile der Welt beobachten konnte, Frauen sind Sprachaffiner -nicht weil angeboren sondern weil sie mehr lernen als die Jungs. Diese Fähigkeiten eröffnen ihnen in einer international orientierten Welt neue Berufschancen.

Die Saudische Regierung handelt nicht aus Einsicht sondern weil sie auf die Frauen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes angewiesen ist. Aber das ist nur die eine Seite. Für die andere lohnt ein Blick in die Berichte von Amnesty international. Frauen haben hier weniger Rechte, insbesondere wenn sie verheiratet sind. Sie brauchen für Selbstverständlichkeiten die Erlaubnis ihres Mannes. Und und und. In welche Richtung geht die Entwicklung? Try and Error.

In Riad wohne ich direkt neben dem Regierungsviertel. Hier tragen erstaunlich wenige junge Frauen ein Kopftuch oder einen Schleier. Abends im Restaurant, in der Metro. Hier wohnt die Mittelschicht, wie an den Gebäuden unschwer zu erkennen ist. Ihre Kinder sind die ersten, die die neuen Freiheiten austesten und leben. Vielleicht hilft das anderen in diesem Land. Im Museum verzichten einige Aufseherinnen (also Regierungsangestellte) auf Kopftuch, auch hinter dem Metro Schalter. Es gibt aber auch die anderen, die kaum durch einen schmalen Schlitz sehen können. Abends im Restaurant diniert eine Gruppe von drei Mädchen deren Kleidung für hiesige Verhältnisse eher leger ist.

Aber zunächst mal geht es im Zug noch bis Riad.

Eins zwei Unterwegshalte. Draußen zieht eine endlos eintönige Landschaft am Fenster vorbei.

Endstation Riad. Ich fotografiere noch den Triebkopf. Beim Zurücklaufen spricht mich der Lokführer an: „It´s forbitten“ und lacht. Wir grinsen beide. Er zählt mir noch, dass die Anweisung tatsächlich existiert. Aber sie niemand so ernst nehme. Ich erinnere mich zwei Monate zurück als ich auf dem Bahnsteig in Denver, Colorado, die Lok meines Amtrak knipsen wollte. Das hat mir beinahe einen Arrest eingebracht. Hier ist der junge Mann daran interessiert woher ich komme, was ich mache. Diese Neugier begleitet mich schon auf der gesamten Reise. Die Menschen sprechen mich an, nicht aufdringlich, niemand will mir was verkaufen. Einfach nur Interesse. Die Atmosphäre ist durch und durch freundlich, relaxt.

Der neue Bahnhof in Riad ist noch nicht an die Metro angeschlossen. Er liegt weit außerhalb. Also ab ins Taxi. Feierabendverkehr. Der Fahrer ist froh, dass er mich nur bis zur nächsten Metrostation bringen muss und nicht in die Innenstadt. Aber auch bis hier sind es rund zehn Kilometer. Stoßstange an Stoßstange. Die Metro wurde erst vor ein paar Wochen eingeweiht.

Natürlich futuristisch gestylt. Alles ist blitzblank. Die Ausschilderung und Wegeführung sind perfekt. Die Drei-Tages-Karte kostet sieben Euro. Die Rolltreppen funktionieren und auf den Bahnsteigen und in den Zwischenebenen sorgt ein ganzes Heer an Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für Sicherheit und Sauberkeit. Man hat auch Personalreserven, weil man keine Lokführer braucht. Die Züge werden vollautomatisch gesteuert.

Blick aus dem „Führerstand“.

Die Waggons haben drei Teile: First Class, „Family Class“ für Frauen und Männer, die mindestens eine Partnerin haben, und Single: also in erster Linie Männer. Beim Umsteigen penne ich erstmal und steige ins „Family-Abteil“. Die Aufsicht, also ein charakterfester Mann, der den ganzen Tag über die Frauen wacht, schickt mich einen Wagen weiter. Umgekehrt: Im Männerabteil sitzen Frauen, zum Teil unverschleiert. Meine Vermutung: das sind so kleine subtile Widerstandsakte.

Abends suche ich mir in der Nähe einen hochgelobten Imbiss auf und werde nicht enttäuscht. Falafel, gekochte Bohnen, Gemüse und Joghurt. Als der Muezzin ruft, verwandelt sich das Lokal in eine kleine Gebetshalle. Spannend.

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Dienstag, 28. Januar 2025 -Von Tabuk nach Ha’il

Der Aufreger um 7:45 Uhr am Morgen: Es gibt kein Taxi, Uber oder sonst was. Der Portier meint: es dauere mindestens 45 Minuten bis ein Wagen frei sei. Ungläubig schaue ich ihn an, denn jeden Abend drehen ungezählte Droschken ihre Runden. Ich stehe unter Stress: mein Bus nach Ha’il fährt in 45 Minuten. Zu Fuß sind die fünf Kilometer mit Rucksack nicht zu schaffen. Der Grund für den Chauffeurmangel um diese Uhrzeit sei, so der Mann an der Rezeption: Die Eltern schicken ihre Kinder per Mietwagen in die Schule. So bekommt unsere deutsches Unwort „Elterntaxi“ eine ganz neue Bedeutung. Irgendwie gelingt ihm es dann doch einen Cousin oder was weiß ich zu erreichen und zu überreden, mich zur Bus-Station zu bringen. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig. Gut so: der nächste Bus fährt erst morgen früh.

Die Mädels haben ihren eigenen Warteraum. Der Norden ist eher konservativ

Vor mir liegen 500 Kilometer Wüstenfahrt. Auch hier gibt es wie am Airport einen Check in zum einzigen Gate. „Männer hinten, Frauen vorne einsteigen“ wird mir erklärt. Das kenne ich doch aus dem Bürgerrechtsmuseum in Memphis TN. Da steht in einer Halle ein Bus aus den 1960er Jahren. Drin sitzen Puppen: Weiße Puppen hinten, die Schwarzen vorne. Aber immerhin der Bus hat nicht nur einen Gebetsabteil sondern auch eine Toilette. Er ist sauber und sieht bequem aus.

Die Sitze bleiben fast leer. Vielleicht zehn Fahrgäste sind an Bord. Alle 50 Kilometer ein Halt in einem kleinen Wüstenort. Zwischendurch ein Checkpoint. Ich werde das erste mal richtig kontrolliert. Meine Medikamente wecken das Misstrauen der Beamten. Ich soll erklären, wofür ich sie brauche. Aber: Cool bleiben. Ich habe einen Jocker. Kurz vor dem Abflug habe ich mir bei meinem Hausarzt ein Testat besorgt. Darauf sind alle Medikamente -und der KI sei dank- in Englisch und Arabisch beschrieben. Die Jungs sind beeindruckt. Ich halte meine rechte Hand aufs Herz und verneige mich leicht. Sie ebenso und lächeln.

Gegen Mittag Halt im Nirgendwo an einem riesigen Autobahnkreuz. 20 Minuten Pause.

Die Neugier siegt. Ich gehe mit in den kleinen Imbiss. Will aber um Himmels Willen nichts essen…

…bis der Chef mir ein Brot und einen Tee anbietet. Es ist das beste Fladenbrot, das ich je gegessen habe. Frisch aus dem Ofen. Mit Tee keine 50 Cent.

Die anderen Passagiere und die Crew verzehren dazu Gemüse oder Fleisch. Man sitzt auf Podesten auf der Erde, schwätzt. Ich muss erzählen woher ich komme. Die meisten hier sprechen gut Englisch. Ich kann nicht aufhören, das Brot zu loben. Das macht den Mann hinter der Theke richtig stolz. Und fotografieren soll ich sie auch alle.

Gegen 17 Uhr erreichen wir Ha’il. Drei- viermal muss der Fahrer anhalten. Die Achse hinten hat dem Geräusch nach einen Schaden. Aber sie hält durch. Wie jeder Ort hier schmückt sich die Stadt am Eingang mit einem Gag. Unterwegs begegneten mir eine Säulenhalle von Steinmännchen, eine Stelen-Kolonnade oder lustige Motive am Straßenrand auf Kunstrasen.

In Ha’il ist es ein Würfel. Am Busbahnhof lasse ich mich auf ein nicht konzessioniertes Taxi ein. Ich will nur noch ins Hotel. Natürlich kennt der Mann das Hotel nicht und versteht auch kaum Englisch. Ich gebe das Ziel in mein Handy ein, das Navi blinkt auf und die Karte zeigt mit deutschem Unterton dem Fahrer den richtigen Weg.

Das Hotel entpuppt sich als riesiges Appartement. Größer als meine Wohnung in Mühlheim. Gerade mal 60 Euro. Wohnküche, Wohnzimmer, Schlafzimmer. Und zu meinem Glück bringt mir der Boy noch Tee, Kaffee und eine Büchse mit wunderbaren Datteln.

Mein Wohnzimmer oder ist das das Wartezimmer für den Harem? Zunächst möchte ich nebenan im Einkaufszentrum essen. Doch da gefällt mir nur der Eisbär in der Wüste.

Ich entscheide mich für eine lmbissbude am Straßenrand. Arabische Pizza aus dem Holzofen. Echt lecker.

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Montag, 27. Januar 2025 Tabuk

Morgens schwelegn im Frühstück. Lasse mir richtig Zeit. Wahrscheinlich habe ich in dieser Woche zugenommen. Heute noch ein letztes Mal Stationen der Hedjaz-Bahn abklappern. Damit es den Lesern nicht nicht langweilig wird nur einige Worte zu dem Abschnitt im Gebirge südlich von Tabuk, auf dessen Spuren ich heute wandeln will. Dort hatten die Osmanen einen der wenigen Tunnel auf der rund 1300 Kilometer langen Strecke ins Gebirge gesprengt. Die Anfahrt verspricht nach der Karte einfach zu werden: Eine Landstraße immer geradeaus bis sie zur Piste wird und dann etwa einen Kilometer laufen. Blöd nur: die Landstraße ist seit ein paar Wochen eine sechsspurige Autobahn von der man selbst mit Geländewagen nicht einfach abbiegen kann. Ich kann die Bahntrasse sehr gut aus dem Auto verfolgen, da der Verkehr auf meiner Straßenhälfte oder gegenüber gleich null ist, so alle zehn Minuten ein Auto. Ich kann ohne Gefahr vom Standstreifen aus fotografieren. Durch tiefe Einschnitte und über hohe Dämme schraubt sich die Strecke nach oben. Es ist eine gewaltige Leistung der Ingenieure und Arbeiter hier in der Ödnis solche ein Projekt zu stemmen.

Eine Brücke hinter dem Abzweig zum Flughafen. Ab hier geht es in die Berge und wird es einsam auf sechs Spuren plus Standstreifen.

In den vergangen Tagen habe ich einiges über den Niedergang der Hedjaz Bahn und die Rolle des Lawrence von Arabien im Krieg gegen die Osmanen gelesen. Gewiss: mit seinen Angriffen auf die lange Strecke durch unbewohntes Gebiet hat er den Türken geschadet, ihre Truppen demoralisiert und den Nachschub gestört. Aber es waren eher kleinere Handstreiche gegen einsame Stationen, deren Eroberung auch nur sehr selten und nur für kurze Zeit gelang. Meistens konnten die Türken die Schäden binnen Stunden reparieren. Material dafür stand ihnen fast unbegrenzt in den Depots entlang der Trasse zur Verfügung. Eine Postenkette in kleinen Unterständen überwachte sensible Streckenabschnitte. Die Bahnhöfe waren zudem gut gesichert. Es war ein Kampf Maschinengewehr gegen Karabiner. Sehr viel effizienter als der englische Lawrence unterstützte Frankreich die Araber, vor allem mit Offizieren und Truppen die in den Kolonialkriegen in Afrika genügend Erfahrungen gesammelt hatten.

Der Ruhm gebührt Lawrence, weil sein Marketing besser war. Lawrence erreichte bei den Arabern, dass ein amerikanischer Journalist mit Kameramann seine Attacken begleiten durfte. Dieser hat in den 1920er Jahren in rund 2.000 Vorträgen den britischen Offizier und Geheimdienstler heroisiert und den Mythos vom Lawrence von Arabien geprägt. Er präsentierte ihn als „Sherif“ Fürst von Mekka“ und König von Arabien. Lawrence selbst hat mit seiner Quasi-Autobiografie „Die sieben Säulen der Weisheit“ auch an seiner eigenen Legende gestrickt. Sein Heldenstatus wuchs noch als er später für die Öffentlichkeit unsichtbar wurde, weil er unter falschem Namen bei einer Luftwaffeneinheit verschwand, wohl auch weil er ein schlechtes Gewissen hatte. Er versprach den Arabern Selbständigkeit und Unabhängigkeit obwohl seine Vorgesetzten lange vor seinem Einsatz hinter seinem Rücken einen Vertrag mit den Franzosen ausgehandelt hatte, der die Arabische Welt in Einflusssphären unter den beiden Großmächten aufteilte. Dieses Sykes-Picot-Abkommen aus dem Jahr 1916 ist auch eine Ursache für all die späteren Kriege im Nahen Osten.

Ein kleiner Durchlass fast auf Passhöhe. 1300 Kilometer Strecke mussten nach dem Abzug der Osmanen unterhalten werden. Von unerfahrenen Beduinen ohne technisches Know How und die notwendigen Ressourcen. Die Türken hatten sich nach 1918 auch noch einige Zeit nach dem Ende des ersten Weltkrieg, den sie an der Seite von Deutschland verloren hatten, bis hinunter nach Medina behaupten können. Erst Anfang der 1920er Jahre sind sie von den „neuen Herren abgelöst worden.

Vor allem rächte sich, dass der Streckenabschnitt südlich von Al Ula nicht von erfahrenen Ingenieuren geplant und gebaut wurde, weil Nicht-Muslime diesen heiligen Teil Arabiens nicht betreten durften. Provisorien über Wadis, Baumängel, eine suboptimale Streckenführung machten dem Zugverkehr hier bald den Garaus. Von Schäden durch Unwetter um 1920 erholte sich die Bahn nicht mehr. Zudem war das Interesse der Stämme an der Strecke minimal, auch wenn ihre Fürsten offiziell das Gegenteil behaupteten. An Pilgern, die im Zug durch ihr Gebiet durcheilten, lies sich kein Geld verdienen. Bald verkehrte die Bahn nur noch unregelmäßig. 1924 gab es noch einmal drei Materialtransporte. Dann war Schluss. Die Strecke verfiel. Schließlich wurde ihr längster Abschnitt zwischen der jordanischen Grenze und Medina abgebaut. Auf jordanischer Seite verlängerte die Eisenbahngesellschaft Mitte der 1950er Jahre die Trasse bis zum Hafen von Akaba, um Phosphat zu den Schiffen zu bringen. Finanziert hatte den Bau dieses neuen Abschnitts auch die damals jungen Bundesrepublik Deutschland. Dieser umweltfreundliche Verkehr wurde Mitte der 2010er Jahre auf Druck der LKW-Lobby eingestellt. Heute transportieren mächtige Dieseltrucks, die meist lange dunkle Abgasfahnen hinter sich herziehen, den Dünger auf einer breiten Autobahn von Maan zum neuen Port.

Eine Brücke und ein Bahnhof auf dem Weg ins Gebirge. Man spürt förmlich die Anstrengung und den Schweiß, den der Bau der Strecke vorüber 100 Jahren kostete.

Auf dem Rückweg gebe ich dann das Auto am Flughafen ab. Der Wagen war an vielen Stellen massiv gespachtelt und hatte bei der Übernahme schon 36.000 Kilometer auf dem Tacho. Jenseits der Städte hat das Fahren richtig Spaß gemacht. Mit meinem eigenen verbeulten Auto wäre auch der Verkehr in den größeren Orten ein geringes Problem, aber mit dem Mietwagen habe ich trotz Vollkasko Blut und Wasser geschwitzt. Über den Preis kann ich mich nicht beschweren. Ich erhalte sogar eine Gutschrift, weil ich den Wagen am Vorabend zurück brachte. Ist mir noch nie passiert.

Abends packen. Danach zu einem Imbiss in der Nähe. Nudeln mit was Arabischem. Hat gut geschmeckt.

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Sonntag, 26.Januar 2025 – Tabuk

So richtig gut gefrühstückt. Das Hotel ist wirklich in allen Belangen Spitze und fast ein Schnäppchen. Ich schwelge zwischen Omelette mit Gemüse, Salaten, verschiedenen Käsesorten, Joghurt, Hummus, Oliven und sonstigen Cremes, Müsli, Honig und Marmelade. Natürlich gibt es auch Obst und etwas Süßes zum Abschluss. Eine ideale Fusion zwischen West und Ost.

Nur ein Gang

Auf dem Programm steht heute die Besichtigung des ehemaligen Bahnhofs Tabuk. Einst eine bedeutende Zwischenstation für die Mekka-Pilger. Hier residierte so eine Art Direktion mit Planern, Ingenieuren, Maschinisten und Verwaltungsbeamten. Hier war ein Ausbesserungswerk. Hier residierte das Militärkommando, hier wurde das Material zur Unterhaltung der Strecke gelagert.

Heute ist die Anlage UNESCO-Weltkulturerbe. Viele Gebäude sind vorbildlich renoviert. Aber es fehlt eine rote Linie, ein Narrativ. Ganz viele uniformierte Häuptlinge laufen mit wichtiger Mine über das Gelände vor dem eine riesige Flotte an Dienstwagen aus dem oberen Segment von irgendeinem Ministerium parkt. Beim übrigen Staff in den niederen Rängen überwiegt arbeitsimitierendes Verhalten.

Der historische Ort ist eingeklemmt zwischen einem Gewerbegebiet und einer Schnellstraße. Ursprünglich muss die Fläche ein Vielfaches größer gewesen sein. An einer Schmalseite ist ein riesiges Einkaufszentrum entstanden, auf der anderen Seite riegelt ein Subway den Bahnhof von einem benachbarten Park ab, den man in das Freiluftmuseum einbeziehen könnte.

Die Gebäude können nicht betreten werden. Hier könnte man mittels Exponaten die Arbeitswelt bei der Hedjaz-Bahn vorstellen.

Türschilder weisen auf kleine Boutiquen hin. Vielleicht wollte man hier Tourismus und heimisches Handwerk verbinden. Davon schein wenig übrig geblieben.

Aber es gibt eine sehenswerte Abteilung. Im ehemaligen Lokschuppen finden Besucher ein kurzes Portrait der Geschichte der Bahn. Knapp und gut erzählt. Dazu sind eine Lok und ein Güterwagen nebst einigen originalen Überbleibseln der Bahn ausgestellt. Aber auch diese sind nicht erklärt.

Draußen findet sich dann noch ein Heizkessel. Wie achtlos abgelegt.

Ich habe es leider versäumt, die Bahn-Anlage in der Nähe von Al Ula nebst Museum zu besichtigen. Das Navi hat mich vorbeigeführt und als ich es merkte war es zu spät. Blöd, weil auch nebenan Ausgrabungen von untergegangenen Hochkulturen aus der Zeit vor Christi Geburt mein Interesse gefunden hätten. Anyway. Der Bahnhof in Tabuk würde sich gut eignen, den Betrieb der Hedjaz-Bahn hundert Jahre später nachzustellen. Man hätte Platz für Bahnsteige, drei vier Gleise, die man in den benachbarten Park verlängern könnte wenn man die Subway-Bude ein wenig verrücken würde. Dazu noch die Gebäude möblieren: ein Tourismusmagnet wäre geboren.

Ich mache mich weiter Richtung jordanische Grenze: auch hier stehen noch einige Stationen. Die Autobahn ist richtig gut ausgebaut. Ich bin die Straße vor fünf Jahren fast bis zur anderen Seite der Grenze gefahren. Dort ist es eher ein schmaler Weg durch die Wüste. Auf meiner Tour hier habe ich immer wieder Checkpoints passiert ohne kontrolliert zu werden. Kurz vor der Grenze muss ich das erste mal angehalten: ein Blick und ich darf weiterfahren.

Einer von drei Bahnhöfen, die ich besuche gibt einige Rätsel auf. Er ist gut erhalten aber ringsum viele zerfallene Gebäude und Ruinen. War hier vielleicht einmal eine Garnison stationiert?

Auch hier am Zaun vier Schilder nebeneinander, die auf die zuständige Behörde hinweisen. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, ob man wenigstens einen dieser Standorte für einige Informationen nutzt.

Zurück im Hotel besorge ich mir erstmal eine SIM Karte. Für mein Busticket brauche ich eine Saudi-Telefonnummer. Wahrscheinlich kann ich so besser verfolgt werden. Der junge Mann in dem Handyladen hat das Ruck-Zuck erledigt und mein Telefon neu konfiguriert. Preis für einen Monat telefonieren und Internet: sieben Euro.

Später ist es beim Edel-Italiener nicht ganz so billig aber umso besser. Meine Trüffel-Nudel schmecken richtig lecker. Das Lokal ist sehr voll. Mittelstand wohl meist. Viele Frauengruppen, die auch nicht in ein Extra-Zimmer gesetzt werden. Mit Gesichtsschleier zu essen ohne zu kleckern: Schwierig. Auffällig: Sehr viele junge Frauen schieben sobald sie das Lokal betreten, ihren Schleier ganz weit in den Nacken und nehmen das Gesichtstuch ab. Später mehr, wenn ich in Riad bin. Der Schleier ist hier seit 2019 nicht mehr obligatorisch wie ich gelesen habe. Das hat auch handfeste innenpolitische und wirtschaftliche Gründe. In Riad wissen einige Mädels der Hauptstadt die Freiheiten zu nutzen.

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